Ein Tag auf meinem Campo in Uruguay – und warum das Leben hier nicht billig ist
Viele denken, Südamerika ist irgendwie günstig. Uruguay ist es nicht. Ein ganz normaler Tag auf dem Land, mit allem, was dazugehört.

Kurz gesagt
- Ich halte auf meinem Campo fünf Kälber. Eins hat 280 Dollar gekostet – Fleischrassen wie Angus oder Hereford waren mir zu der Zeit zu teuer.
- Kälber zu halten heißt auch: füttern, Wasser, Zäune und sie behandeln können, wenn sie krank werden.
- Gas für Herd und Warmwasser hole ich in Flaschen aus dem Dorf. Die Straßen sind gut, die Wege aber weit – deshalb kaufe ich vieles auf Vorrat.
- Uruguay ist nicht das günstige Südamerika, das viele erwarten. Ohne Arbeit kommt man hier nicht weiter.
Ich werde oft gefragt, wie mein Alltag hier aussieht – und wie viel das alles kostet. Deshalb hier ein ganz normaler Tag auf meinem Campo. Kein besonderer Tag, einfach mein Alltag. Es ist Winter in Uruguay, Ende Juni, Anfang Juli, und es ist windig.
Morgens: fünf Kälber
Ich habe fünf Kälber. Als Tränke habe ich einen IBC-Container aufgeschnitten, das reicht, solange die Tiere noch klein sind.
Normalerweise nimmt man für die Fleischzucht Rassen wie Angus oder Hereford. Die waren zu dem Zeitpunkt aber sehr teuer. Deshalb probiere ich es mit Tieren, die noch bezahlbar waren: Ein Kalb hat 280 Dollar gekostet. In ein paar Monaten sehe ich, ob sich das gerechnet hat und wie viel ich wieder rausbekomme.
Gefüttert wird mit Pellets, damit sie Gewicht zulegen. Das Gras ist dieses Jahr gut gewachsen, also haben sie erst mal genug zu fressen.

Tiere halten heißt auch: behandeln können
An dem Tag hatten zwei Kälber Durchfall. Da muss man etwas machen, unbehandelt ist das für Kälber lebensgefährlich. Jedes hat seine Spritzen bekommen, dazu eine dickflüssige Masse, die aussieht wie dicke Milch.
Kühe halten ist nicht einfach. Man muss sie auch behandeln können. Solche Sachen gehören dazu, genauso wie Füttern und Wasser auffüllen.
Heute habe ich sie zum ersten Mal gerufen – und sie sind von allein gekommen. Von ganz hinten.
Am Anfang war das anders. Wenn ich sie gerufen habe, standen sie immer ganz hinten und kamen nicht. Ich musste jedes einzelne Kalb mit einem Seil herholen, jedes hatte ein Seil von ungefähr sieben bis zehn Metern am Hals. Die kannten mich ja nicht und sind immer weggerannt. Inzwischen reicht ein Ruf. Wenn eins losgeht, gehen alle hinterher. So sind Kühe: Herdentiere.
Kleine Dinge, die teuer sind
Ein Problem, das ich noch lösen muss: Die Kälber teilen nicht ordentlich und streiten sich um die kleinen Futterbehälter. Ich brauche einen gemeinsamen Trog. Den gibt es zu kaufen – aber wie vieles hier ist er teuer.
Den Zaun habe ich selbst gemacht, mit ganz viel Arbeit.
Wind an der Küste
Wir liegen an der Küste, deshalb ist eigentlich immer etwas Wind. Es gibt windstille Tage, aber an diesem Tag war er stark. Der Wind hat einen Vorteil: Im Sommer wird es nicht so heiß. Im Winter wird es dadurch aber auch kälter.
Meine zwei Schäferhündinnen, Leyla und Luna, sind immer dabei. Wenn ich mit den Kühen draußen bin, rennen sie hinterher und wollen helfen. Man merkt richtig den Hüte-Instinkt: Sie wollen die Tiere zusammenhalten und ein bisschen jagen. Mit den anderen Tieren kommen sie gut klar.

Ins Dorf: Gas holen
Danach fahre ich ins Dorf und tausche die Gasflaschen. Gas brauche ich für den Herd und fürs Warmwasser, teilweise auch zum Heizen. Das Geschäft ist klein, die Flaschen sind schwer.
Was man auf dem Weg sieht: Die Straßen sind richtig gut, im Gegensatz zu vielen Feldwegen anderswo in Südamerika. Die Infrastruktur gefällt mir sehr.
Am Straßenrand stehen große gemeinsame Mülltonnen, in die die Leute ihren Müll bringen. Bisher hatten wir keine Probleme, dass sie überfüllt sind. Und es gibt eine Gomería, eine kleine Werkstatt direkt an der Straße, wo man Autos und Anhänger reparieren lassen kann. Mit Uruguay-Flagge und Nationalstolz.
Ein Strand, 30 Meter unter der Straße
Auf dem Heimweg fahre ich direkt am Wasser entlang. Unten liegt ein naturbelassener Strand mit Klippen. Man steht praktisch 30 Meter über dem Wasserspiegel und muss erst mal runter. Wenn man unten ist, denkt man, man ist allein auf einer Insel gestrandet.
Im Winter ist hier alles ruhig und friedlich. Wenn es wärmer wird, kommen Leute von überall.
Winter in Uruguay
Mitten im Winter war es sonnig und kühl, ein milder Winter. Ich hatte zwar eine Jacke an, hätte aber auch im Pulli rumlaufen können. Kalt wird es nur, wenn auf einmal richtig Wind kommt.
Für mein Drohnen-Business ist der Winter die ruhige Zeit. Die Drohne muss ein bisschen überarbeitet werden. Daneben stehen der Generator und der 1000-Liter-Mischtank.
Abends
Hundefutter kaufe ich immer auf Vorrat. Das muss man hier so machen, damit man nicht ständig losfahren muss – die Distanzen sind weit.
Neben dem Hundefutter steht die kleine Bude, in der ich am Anfang gewohnt habe, als wir hergezogen sind. Heute ist sie eine unordentliche Abstellkammer. Damals war sie mein Zuhause.
Abends wird gekocht. An dem Tag: Spaghetti.
Mir geht es nicht nur darum, Uruguay zu zeigen. Mir geht es darum, wie ich hier lebe.
Häufige Fragen
Ist das Leben in Uruguay günstig?
Aus meiner Erfahrung nicht. Viele denken, Südamerika sei günstig, aber in Uruguay ist vieles teuer – vom Tier bis zum Futtertrog. Ohne Arbeit kommt man hier nicht weiter.
Was hat ein Kalb gekostet?
Meine Kälber haben 280 Dollar pro Stück gekostet. Fleischrassen wie Angus oder Hereford waren zu dem Zeitpunkt sehr teuer, deshalb habe ich es mit günstigeren Tieren probiert.
Wie ist der Winter an der Küste von Uruguay?
Mild. Mitten im Winter, Ende Juni und Anfang Juli, war es sonnig und kühl – ich hätte auch im Pulli rumlaufen können. Kalt wird es, wenn plötzlich starker Wind kommt.
Diese Story basiert auf meinen eigenen Videoaufnahmen und dem, was ich darin erzählt habe. Erfahrungen sind meine persönlichen; Zahlen und Preise gelten für den genannten Zeitpunkt.
Die Geschichte als Video
Mein erstes Video aus Uruguay – so sieht mein Alltag auf dem Campo aus
Ein ganz normaler Tag – und warum Uruguay nicht das „günstige Südamerika“ ist.



