Mit 19 nach Uruguay ausgewandert: Wie hart der Anfang wirklich war
„Das wird zu hart für dich“, haben viele gesagt. Ich habe geantwortet: Aller Anfang ist hart. Wie hart genau, habe ich erst verstanden, als ich hier war.

Kurz gesagt
- Ich bin 2022 mit 19 Jahren von Deutschland nach Uruguay gezogen – zusammen mit meiner Familie und ohne Spanisch zu sprechen.
- Mein Startkapital waren die Ersparnisse aus den Jahren, in denen ich in Deutschland gearbeitet habe.
- Der Anfang war härter als gedacht: keine Sprache, wenig Geld, und die einzigen Freunde waren meine Hunde.
- Heute bin ich Unternehmer, unter anderem mit einem Agrardrohnen-Service. Gelernt habe ich vor allem, dass Risiko auch heißt, dass man verlieren kann.
Viele fragen mich, was ich eigentlich in Uruguay mache und wie ich hier lebe. Die kurze Antwort: Ich bin 2022 mit 19 Jahren aus Deutschland hierher gezogen, wohne mitten auf dem Land, habe Kühe, zwei Schäferhunde, ein eigenes Grundstück und ein paar Firmen, die ich aufbaue.
Die lange Antwort ist die, die mich interessiert. Denn von außen sieht Auswandern oft wie eine einzige große Entscheidung aus. In Wirklichkeit war die Entscheidung der leichteste Teil.
Was vor Uruguay war
Ich habe mit 12 angefangen zu arbeiten und Zeitungen ausgetragen. Mit 14 habe ich im Supermarkt Regale eingeräumt, später auch an der Kasse gesessen. Danach habe ich eine Ausbildung als Anlagenmechaniker gemacht, in einem großen Chemiekonzern.
Das ist wichtig für den Rest der Geschichte: Mein Startkapital war das, was ich mir in diesen Jahren angespart hatte. Ein bisschen, nicht viel.
Warum ich gegangen bin
„Warum? Deutschland ist doch so gut.“ Das höre ich oft. Für mich persönlich war irgendwann klar: Deutschland ist auf Dauer nichts für mich. Ich hatte auf ein Leben dort keine Lust mehr. Es gibt viele Gründe dafür. Die verdienen eine eigene Geschichte – hier würden sie den Rahmen sprengen.
Ich habe viel nachgedacht und dann einfach gekündigt. Ganz allein bin ich nicht gegangen, sondern mit meiner Familie. Hier haben wir zuerst ein kleines Häuschen gebaut.
Ich habe gesagt: Aller Anfang ist hart. Und ich habe gar nicht realisiert, wie hart das eigentlich wirklich ist.
Ohne Sprache, ohne Netz, mit wenig Geld
Auch mit Familie war es nicht leicht. Ich habe alles stehen gelassen, und dann war ich hier. Das Schwierigste am Anfang: Ich konnte die Sprache nicht. Und hier zurechtzukommen ist nicht leicht – ohne Sprache, ohne alles.
Dazu kam das Geld: Ich hatte nicht viel. Gewohnt habe ich am Anfang nicht in einem Haus, sondern in einer kleinen Bude auf dem Grundstück. Schlafzimmer, Bett, alles in einem Raum. Aufs Klo bin ich zu meinen Eltern rübergegangen. Heute lagere ich darin Hundefutter – aber damals war das mein Zuhause, und es war ehrlich gesagt ziemlich gemütlich.

Meine einzigen Freunde
Das wird vielleicht nicht jeder verstehen, der kein Herz für Tiere hat. Aber in der Anfangszeit, als ich hier keine Freunde hatte, waren meine Hunde meine Freunde. Ich habe Leyla und Luna als Welpen großgezogen. Was die beiden mir in dieser Zeit gegeben haben, ist schwer zu erklären. Sie sind Schwestern, spielen ständig miteinander und folgen mir bis heute überall hin.
Vom Bauen zum Unternehmer
Eine normale Arbeit habe ich hier nie angefangen. Ich bin, ohne dass das ein großer Plan war, Unternehmer geworden. Die ersten Jahre habe ich vor allem gebaut: das Grundstück, Häuser, alles selbst.
Inzwischen habe ich verschiedene Projekte am Laufen. Ich habe viel versucht, viel umgesetzt und auch viel verloren. Genau diese Erfahrungen will ich teilen – vor allem für Leute, die Ideen haben, sie aber nicht umsetzen.
Was ich über Risiko gelernt habe
Als Unternehmer hört man ständig: Wer kein Risiko eingeht, kann nicht gewinnen. Irgendwo stimmt das. Aber ich glaube, genau dieser Satz sorgt dafür, dass man das Risiko unterschätzt.
Ich habe lange gedacht: Wenn ich Risiko eingehe, dann gewinne ich. Risiko bedeutet aber eben auch, dass man verlieren kann. Man verliert viel – oder man gewinnt viel.
Mein bestes Beispiel dafür ist mein Drohnen-Business. Ich biete Dienstleistungen mit einer Agrardrohne für die Landwirtschaft an – eine der größten Drohnen, die es dafür gibt, ungefähr drei Meter Durchmesser. Ich habe über 100.000 Dollar in diese Drohne und das ganze Business gesteckt. Dann bin ich einmal mit der Drohne gecrasht. Und später ist mein Pilot noch mal gecrasht.
Alle sagen: „Damit verdient man so viel Geld.“ Man kann damit Geld verdienen, ja. Aber man braucht Rücklagen, um so etwas zu stemmen, und man kann auch viel verlieren.

Wo ich heute stehe
Mittlerweile bin ich verheiratet und habe eine kleine Familie. Ich habe mein eigenes Grundstück. Es war früher eine Zitronenplantage und, als ich es übernommen habe, ein richtiger Dschungel – das Gras war höher als ich. Heute ist dort guter Boden. Eine Zeit lang hatte ich dort rund 100 Bienenvölker stehen.
Das nächste große Ziel: auf diesem Grundstück mein Haus bauen und mich mit meinen Kühen dort breitmachen.
Warum ich das jetzt dokumentiere
Die Idee, einen YouTube-Kanal zu machen und alles zu dokumentieren, habe ich seit vier, fünf Jahren. Ich habe es immer wieder hinausgezögert. Irgendwann habe ich zu meiner Frau gesagt: „Ich mache das jetzt.“ Und dann habe ich angefangen.
Auswandern wird in Deutschland für viele ein immer größeres Thema. Ich will zeigen, wie es wirklich ist – dass es kein einfacher Schritt ist, was gut läuft und was schiefgeht. Und ob man mit dem, was man hier aufbaut, am Ende tatsächlich profitabel wird.
Häufige Fragen
Wie alt warst du, als du nach Uruguay ausgewandert bist?
19. Ich hatte meine Ausbildung als Anlagenmechaniker gemacht und habe dann meinen Job gekündigt.
Bist du allein nach Uruguay gegangen?
Nein, ich bin mit meiner Familie hergezogen. Leicht war es trotzdem nicht – vor allem ohne Sprache.
Konntest du Spanisch, als du angekommen bist?
Nein. Das war am Anfang das größte Problem. Später habe ich sogar meine Drohnen-Kurse auf Spanisch gemacht, und das hat sehr lange gedauert.
Wovon lebst du in Uruguay?
Ich habe hier keine normale Anstellung, sondern baue eigene Unternehmen auf – angefangen mit Dienstleistungen mit Agrardrohnen.
Diese Story basiert auf meinen eigenen Videoaufnahmen und dem, was ich darin erzählt habe. Erfahrungen sind meine persönlichen; Zahlen und Preise gelten für den genannten Zeitpunkt.
Die Geschichte als Video
Mit 19 nach Uruguay ausgewandert – meine ehrliche Geschichte
Warum ich gegangen bin, wie hart der Anfang war und was ich über Risiko gelernt habe.




