Ohne Eigenkapital ins Drohnen-Business: 20 % Zinsen, ein Abdrift-Schaden und zwei Crashs
Keine Bank wollte mir Geld geben. Also habe ich 20 % Zinsen akzeptiert. Was danach kam: ein Monat ohne Auftrag, ein Schaden beim ersten Job und zwei Crashs.

Kurz gesagt
- Ich habe rund 110.000 Dollar in ein Agrardrohnen-Business investiert, ohne das Geld zu haben.
- Bankkredit: keine Chance. Die eine Hälfte kam von einem Privatinvestor zu 20 % Zinsen, die andere über einen Händler zu 12 %.
- Nach dem Start kam einen Monat lang kein einziger Auftrag. Der erste Auftrag endete mit einem Abdrift-Schaden.
- Danach folgten zwei Crashs – einmal mit mir am Controller, einmal mit meinem Piloten.
Viele junge Unternehmer fragen sich: Wie fange ich überhaupt an, wenn ich kein Geld habe? Ich hatte die Frage auch. Und ich hatte auch Angst vor dem ersten Schritt, vor allem, weil aus dem Umfeld viel Gegenwind kommt: „Geh dieses Risiko lieber nicht ein.“
Hier ist, wie es bei mir gelaufen ist. Ohne Abkürzungen.
Bevor es die Drohne gab
Bevor ich mit der Drohne angefangen habe, habe ich viel Lehrgeld bezahlt: Online bin ich auf Betrug hereingefallen, in einem Job habe ich am Ende drei Monate umsonst gearbeitet, und auf einer Lehrer-Plattform gingen 20 bis 30 Prozent Provision weg. Die ganze Geschichte steht in Drei Monate ohne Lohn. Irgendwann habe ich gesagt: Ich mach das jetzt selbst.
Keiner zwingt dich zu arbeiten. Man muss sich immer selbst sagen: Komm, ich pack jetzt an und mach weiter.
Warum Agrardrohnen
Um mich herum ist alles Landwirtschaft. Ich dachte: Wenn ich schon nicht selbst Landwirtschaft mache, dann muss ich etwas mit Landwirtschaft machen. Ich habe recherchiert, was noch nicht übersättigt ist, und bin auf Agrardrohnen gestoßen.
Dann habe ich geschaut, wie viel man damit ungefähr verdienen kann. Das war ein Fehler. Ich dachte: Wow, damit kann man Geld verdienen. Typisch naives Denken.
Wie ich es finanziert habe
Insgesamt waren es rund 110.000 Dollar. Die hatte ich nicht.
- Bank: keine Chance. Einen Bankkredit zu bekommen war für mich hier unmöglich.
- Privatinvestor: Er wollte zuerst Anteile an der Firma. Das wollte ich nicht – ich wollte nicht mein Leben lang jemanden haben, der bei mir mitkassiert. Also haben wir einen hohen Zinssatz vereinbart: 20 %. Das war die Hälfte der Investition.
- Händler: Die andere Hälfte habe ich mit einem Händler finanziert, den ich kenne. 12 % Zinsen.
Ich dachte: Das ist meine einzige Chance. Ich hatte so lange gesucht, wie ich an so ein Investment komme.
Ein Monat ohne einen einzigen Auftrag
Dann hatte ich alles: die Drohne, das Auto, den Anhänger, die Kurse. Die Kurse habe ich auf Spanisch gemacht, und das hat lange gedauert. Viel Stress, viel Arbeit, schlaflose Nächte. Ich dachte: Jetzt geht’s los, jetzt ändert sich das Leben.
Und dann kam einen Monat lang kein einziger Auftrag. Mitten in der Saison. Die Leute kannten mich nicht – warum sollten sie irgendeinen deutschen Typen nehmen? Die Zinsen liefen trotzdem.
Ich bin viel rumgefahren und habe mich auf Feldern und Höfen vorgestellt. Irgendwann sagte jemand: „Ich hab da Sonnenblumen, die kannst du trocknen.“

Der erste Auftrag: ein Abdrift-Schaden
Wir haben Herbizid gesprüht. Weil ich keine Praxiserfahrung hatte, sind feine Tröpfchen aufs Nachbarfeld getragen worden. Ich hatte das in der Theorie gelernt, aber nicht gedacht, dass bei so wenig Wind so viel rübergeht – wir fliegen ja auf etwa drei Metern Höhe.
Mein erster Auftrag war also erst mal ein Schaden. Und so ein Schaden kann bis 40.000 oder 50.000 Dollar gehen.
Crash Nummer eins: Ich habe dem Autopiloten vertraut
Als es sich langsam herumgesprochen hatte und mehr Aufträge kamen, habe ich zu sehr auf die Sensoren vertraut. Die Drohne fliegt halbautomatisch. Ein erfahrener Drohnenpilot hatte mich gewarnt: „Stan, pass auf, dass du dich nicht zu sehr auf den Autopiloten verlässt.“ Ich habe nicht darauf gehört.
Ich habe Weidelgras gesät, wollte die Batterien wechseln, habe die Drohne losfliegen lassen – und beim ersten Flug crasht sie in einen Baum. Tausendmal hat es funktioniert, einmal nicht. Zum Glück blieb sie im Baum hängen. Nach ein paar Stunden hatten wir sie unten, dann zwei Stunden zur Werkstatt, zwei Stunden zurück, und weiter. Zwei Tage auf dem Feld, fast ohne Schlaf.
Crash Nummer zwei: ein Wort
Später habe ich andere Firmen gegründet und die Drohnenarbeit an einen Piloten abgegeben. Ich habe ihn eingelernt und begleitet. Kurz danach ist er zum ersten Mal allein rausgefahren. Normalerweise schickt er Bilder, wenn er anfängt. Diesmal kam nichts.
Ich schreibe: „Alles gut? Hast du schon angefangen?“ Er schreibt zurück: „Crash.“ Ein Wort.
Die Drohne war aus etwa zwölf Metern mit vollem Tank auf den Boden gefallen. Die Reparatur hat mehrere tausend Dollar gekostet und länger gedauert als zugesagt. In der Zeit habe ich Kunden verloren, weil ich mich auf den Termin der Werkstatt verlassen hatte.
Wo ich heute stehe
Die Drohne fliegt wieder. Gerade ist keine Saison, die Kulturen wachsen, die Landwirtschaft steht still. Mir geht es gut damit, weil ich nebenbei andere Dinge aufbaue. Ich bin noch kein fertiger Unternehmer, ich habe vor gut einem Jahr mit dem Business angefangen.
Mein größter Denkfehler am Anfang war, zuerst darauf zu schauen, wie viel man verdienen kann. Fliegen und viel Geld verdienen – so stellt man sich das als junger Mensch vor. So ist es leider nicht.
Diese Story basiert auf meinen eigenen Videoaufnahmen und dem, was ich darin erzählt habe. Erfahrungen sind meine persönlichen; Zahlen und Preise gelten für den genannten Zeitpunkt.


